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Als Mitbegründer der „Vereinigung Bildender Künstler Österreichs – Secession“, der „Wiener Werkstätte“ und des „Österreichischen Werkbundes“ prägte der österreichische Architekt und Entwerfer Josef Hoffmann (1870-1956) die Architektur und das Design der Moderne in Österreich und Europa. Sein Name wurde zum Synonym für eine materialgerechte Entwurfspraxis in Architektur und Design in zeitloser Eleganz sowie für die Realisierung von Gesamtkunstwerken, wofür erhaltene Gebäude wie das Sanatorium Purkersdorf bei Wien (1904) oder das Palais Stoclet in Brüssel (1906-1911), aber auch die große Zahl seiner bis heute erfolgreich produzierten Entwürfe für die angewandte Kunst stehen. Die Bedeutung der Zeichnung für Architektur und Design bei Josef Hoffmann wird mit dieser Ausstellung erstmals in Deutschland umfassend dargestellt.
Die Rezeption der Arbeiten Josef Hoffmanns, sowohl während der fünf Jahrzehnte seiner aktiven Tätigkeit als Architekt, Designer, Lehrer und Ausstellungsgestalter, als auch in den Jahren nach seiner Emeritierung von der Wiener Kunstgewerbeschule (1936) bis zu seinem Tod 1956, kennzeichnet die sich wandelnde Beurteilung seiner Position innerhalb der Moderne: vom Avantgardisten zum Bewahrer der Tradition. In den Jahren nach seinem Tod bis in die achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts, als die erste monographische Darstellung seines Schaffens (von Eduard Sekler) erschien und große Ausstellungen seiner Bedeutung gerecht zu werden versuchten, festigte sich sein Ruf als ein entscheidender Vertreter der Moderne.
Die Ausstellung JOSEF HOFFMANN. Ein unaufhörlicher Prozess. Entwürfe vom Jugendstil zur Moderne bietet anhand von rund 100 ausgewählten Blättern einen Überblick über Hoffmanns gesamtes zeichnerisches Werk: Entwürfe aus allen Phasen seiner über sechzig Jahre dauernden künstlerischen Tätigkeit, vom secessionistisch-kurvilinearen, über den geometrisch-rektilinearen zum neoklassizistischen Stil, der expressionistisch-folkloristischen Phase bis zur späten Annäherung an den Funktionalismus. Zu sehen sind Entwürfe Josef Hoffmanns für Architektur sowie alle Bereiche der angewandten Kunst, von Besteck und Metallarbeiten bis zu Servicen, Glas, Textilien und Möbeln. Die Ausstellung präsentiert Josef Hoffmann als Designer ebenso wie als Raumgestalter und Architekt.
Die demonstrative Synthese kunsthandwerklicher und architektonischer Elemente im Werk Josef Hoffmanns, die seine ‚Gesamtkunstwerke‘ erst ermöglichte, kann im Rückblick als seine große Leistung akzeptiert werden, wenn man bemerkt, wie sehr sich dieses Prinzip heute unter dem Schlagwort Design verbreitet hat.
In seinen Zeichnungen wird dies für den Betrachter besonders greifbar, handelt es sich dabei doch um die intimsten Zeugnisse seiner Entwurfspraxis. Anhand der Entwürfe aus allen Themenbereichen – buchstäblich von der Villa bis zur Zigarettendose – wird auch Josef Hoffmanns Weg der stilsicheren Weiterentwicklung nachvollziehbar.
Josef Hoffmanns Entwürfe, Bauten und Objekte vermitteln bis heute eine Lebendigkeit, die sich aus dem schöpferischen Austausch zwischen Auftraggeber, Entwerfer und Ausführenden bei deren Gestaltung erklärt.
Rainald Franz · MAK-Bibliothek und Kunstblättersammlung

