GUSTAV KLIMT: Beethovenfries · Zeichnungen

Unter dem Motto ‚Sehnsucht nach Glück’ entwirft Gustav Klimt 1902 einen 35 m langen Fries für die als Gesamtkunstwerk konzipierte Beethoven-Ausstellung der Wiener Secession. Damals sehr umstritten, gilt Klimts monumentaler Beethovenfries heute als Ikone des Wiener Jugendstils und als Höhepunkt seines Schaffens.

Klimt war ein Maler der Frauen. Besonders seine sensiblen Aktdarstellungen erlauben den unmittelbaren Zugang zu seinem Werk, in dem er den Rollen der Frau – als laszive Verführerin, Femme fatale, Schwangere oder Unnahbare – geradezu huldigt. Schwebende lineare Frauenfiguren als Verkörperung der Sehnsüchte führen den Betrachter als Genien durch die lange Wandabfolge des Beethovenfrieses. In einem faszinierenden Geflecht aus Fabeln, Figuren und Formen erzählt er vom Leiden der Menschheit und vom Sieg der Künste und der Liebe. Hauptfigur ist der wohlgerüstete Starke, ein heroischer Ritter mit prächtiger Rüstung, der mit den Figuren der Missgunst, Krankheit und Verbrechen kämpft, um in der Kunst und den Armen einer Frau ‚reines Glück und reine Liebe’ zu finden. Am Ende des gewaltigen Zyklus steht die Szene ‚Diesen Kuss der ganzen Welt’, ein Zitat Schillers aus der ,Ode an die Freude’, das zeigt die geistesgeschichtliche Nähe des Frieses zu Beethovens 9. Symphonie besonders verdeutlicht.

Blattgold, Halbedelsteine und Perlmuttern schmücken die 2,15 m hohe Bilderfolge genauso, wie die damals ungewohnt prosaischen Applikationen aus Gardinenringen, Polsternägeln und Spiegelscherben. Die Wahrhaftigkeit des Materials und die Aufrichtigkeit der Inhalte wurden im Jugendstil zum Anliegen. So nimmt der Beethovenfries sowohl inhaltlich als auch technisch und formal in seiner linearen Komposition mit abstrakten Ornamenten eine Schlüsselstellung in der Wiener Moderne ein: Sein Streben nach dem Gesamtkunst-werk spiegelt das legendäre Wien der Jahrhundertwende, das in einer prekären politischen und sozialen Situation, die Einheit der Künste beschwor.

Dazu gehörten so unterschiedliche Positionen wie die Symphonien von Gustav Mahler und Arnold Schönbergs Zwölftonmusik, die Wiener Werkstätte, die Architektur Otto Wagners und die ornamentlosen Bauten von Adolf Loos, Freuds Traumdeutung, sowie in der Literatur Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal und Karl Kraus.

Der ‚Schmelztiegel Wien’ ist erstaunlicherweise erst in den 80er Jahren kulturhistorisch gewürdigt worden. 1985 wurde auch die Restaurierung und Installation des Beethovenfrieses im Secessionsgebäude abgeschlossen. Im Zuge dessen entstand eine originalgetreue reisefähige Kopie, welche nun erstmalig in Deutschland zu sehen sein wird.

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Gustav Klimt